Gestern liefen die ersten beiden Folgen von Princess Charming auf Vox. Das Online Magazin der Zeitschrift Focus nahm dies zum Anlass einen vernichtenden Artikel zu schreiben in dem spürbar Frauenfeindlichkeit und queerphobe Tendenzen enthalten sind. Wer hat das eigentliche geschrieben? Was wurde geschrieben? Warum macht mich das fassungslos und wütend? Das alles erfahrt ihr hier.
Frauen sind nicht die besseren Menschen!?
Die Autorin schreibt den Artikel offensichtlich, um ihren Unmut über das Gerücht: „Frauen seien die besseren Menschen“ auszudrücken. Ungeachtet dem Fakt, dass nicht nur Frauen, sondern auch nonbinäre Personen an der Show teilgenommen haben, geht die Hetze los. Ist auch einfacher vernichtende Kritiken zu schreiben, wenn man nicht auf so einen Kram wie geschlechtliche Identitäten achten muss oder? Also werden die angeblich 20 Frauen als kreischende Meute bezeichnet, bei denen man den Fernseher leiser stellen muss. Die körperliche Auseinandersetzung, welche korrekterweise nicht gezeigt wurde, wird als Anlass genommen zu propagieren, dass Frauen ja schon genug Gleichberechtigung erreicht hätten. Und dann werden noch einzelne Kandidat*innen auseinander genommen um zu zeigen, wie schlecht Frauen eigentlich sind.
Wiki und die Achselhaare
Unangepasste Weiblichkeit kann die Autorin gar nicht leiden. Deswegen wird zunächst ein schlechter Witz über Wikis Achselhaare gemacht. Und die Frage nach dem Desinfektionsmittel kann die Autorin auch nicht verstehen. Weibliche Wesen haben in der griechischen Sonne nicht zu schwitzen und zu riechen. Eine kleine Wikipedia-Anekdote rettet die Situation auch nicht. Obwohl die Assoziation klar sein dürfte, wenn man annimmt die Autorin nutzt dieses Portal für Recherchezwecke. Das suggeriert zumindest die Aufmachung des Artikels. Kati passt ja auch gut nach Russland, wenn sie raucht und säuft. Aber bitte nicht hier im beschaulichen Deutschland. Sonja und Ulle sind nach Angaben der Autorin schlichtweg einfach nicht hübsch genug fürs Fernsehen. Aber da ist ja noch nicht Schluss. Sonjas Unsicherheiten und die damit verbundenen Verhaltensweisen, werden von der Hobbypsychologin als „auffällig“ eingestuft. Menschen und insbesondere Frauen haben sich dementsprechend nicht daneben zu verhalten. Die Fehlertoleranz ist bei Null Komma Null.
Die Queerinvasion
Als wäre das nicht genug, wird den Leser*innen noch kurz vermittelt, Elsas Aussage: „Ich möchte heteronormative Denkweisen auflösen.“ wäre ein Appell, dass die Welt lesbisch werden solle. Kommt es bei den Konsument*innen etwa gut an zu suggerieren, dass Queerness sich wie ein Virus auf die Bevölkerung ausbreitet, nur weil sie endlich mal öffentlich im Fernsehen statt findet? So etwas schreibt doch keiner aus reinem Menschenverstand heraus. Höchstens für die Klicks. Und generell ist, laut Autorin, die Show ja auch nur da um einen Bildungsauftrag zu erfüllen. Nicht etwa um Sichtbarkeit zu schaffen. Das hat ja in der angepassten heteronormativen Welt keinen Platz. Wer will schon weiblich gelesenen Personen beim Dating zugucken? Das gab es doch in den 50gern auch nicht.
Wer ist die denn?
Die Autorin des Artikels heißt Carin Pawlak. Auf Instagram ist sie leicht zu finden. Laut ihrem Profil schaut die gerne „Two and a half men“. Damit dürfte zu vermuten sein, was ihr Bild auf Frauen geprägt hat. Viel mehr wissen wir über Carin nicht. Da können nur Hypothesen über das zu Stande kommen eines solchen Artikels gebildet werden. Ich vermute eine innere Abneigung gegen die eigene gelebte geschlechtliche Identität und eine gehörige Portion Unbehagen bei Konfrontationen mit nicht-heteronormativen Lebensweisen. Aber aus der Perspektive spiele nun ich die Hobbypsychologin. An der Stelle: Liebe Carin, melde dich gerne jeder Zeit für ein Interview bei mir, falls du das Bedürfnis hast etwas klar zu stellen oder Stellung zum Artikel beziehen willst!
Gefühle und anderer Frauenkram
Beim lesen des Artikels überkommt mich eine unglaubliche Ratlosigkeit. Zum 1000. Mal werden queere Menschen durch die Brille von jemandem beurteilt, der sich offensichtlich nicht auskennt und latente Abneigungen erahnen lässt. Viele Personen haben hart daran gearbeitet einen Meilenstein zu setzen, damit eine Carin kommt und das Ganze in der Luft zerreißt? Menschen aus allen Ländern feierten bereits das Format und lechzten nach Untertiteln in sämtlichen Sprachen weil es gar so schlecht ist? Die Staffel hat den deutschen Fernsehpreis gewonnen weil das alles zu laut, bunt und schrill war? Ich verstehe die Denkweise der Autorin nicht. Das erfüllt mich wiederum mit Stolz. Um mit einem Zitat der heteronormativen Fussballwelt abzuschließen: Was erlaube Focus?!
