Das Vermächtnis der Prinzessinnen

Nun ist das Finale von Princess Charming schon einige Wochen her. Ich nehme das Ganze mal genauer unter die Lupe. Beim Auszug war noch jede Menge Obst und Gemüse übrig. War das alles? Was ist noch anhaltend im Gedächtnis geblieben? Was habe ich eventuell daraus gelernt? Es wird Zeit ein Resümee zu ziehen.

Das erste Datingformat das Liebe unter Frauen zeigt

Der einfache Fakt, dass Princess Charming weltweit die erste Datingshow war, die überhaupt die Liebe unter Frauen zeigt, ist natürlich nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Zum einen wurde Geschichte geschrieben und zum anderen wurde damit eine längst schon überfällige Normalität im deutschen Fernsehen etabliert. Dies äußerte sich vor allem darin, dass Princess Charming weltweit geschaut wurde und die ProtagonistInnen global Zuschriften und Zuspruch erhielten. Es dauerte nicht lange bis sich Menschen die Mühe machten, englische Untertitel in die Folgen einzufügen. Fans aus aller Welt fieberten mit und sahen zu, wie Irina die Liebe suchte.

Who am I?

Wir hatten ja früher nichts… Ein Satz der oft gesagt wird. Eben besonders unter queeren Frauen. Außer in der Serie the L-World hatte man bislang keine Identifikationsfiguren. Gut, man könnte jetzt Hella von Sinnen auch dazu zählen. Aber das war alles was man hatte. Mit dem Beginn der Ausstrahlung wurde schon deutlich, dass es eben nicht nur um Dating in der Frauenliebe ging, sondern der Cast so divers war, dass man sich auf alle Fälle mit den TeilnehmerInnen identifizieren konnte. Neben der Repräsentation von bisexuellen und non-binären Charakteren, konnte man auch endlich live dabei zusehen, was Frauen bewegt die andere Frauen Daten. Und als man so Folge für Folge dahin schmolz, dachte man sich auch oft „same“. Egal ob Lou davon berichtete oft fälschlicherweise als heterosexuell gelesen zu werden oder ob es darum ging, ob sich man sich als queere Frau überhaupt irgendwo repräsentiert fühlt…man erkannte die ähnlichen Gedankenstränge und fühlte sich dem Cast unglaublich nah.

Wissen mach AAAHHHH!

Bevor diese Sendung ausgestrahlt wurde, fragte man sich, ob Frauen im gesellschaftlichen Kontext überhaupt eine Sexualität besitzen. Hinter verschlossen Türen war es klar. Aber die durchaus charmante Bine erklärte und dann auch in aller Öffentlichkeit, wie der weibliche Körper und der Orgasmus funktionieren. Das Ganze erfolgte an einem Cupcake in Vulvenform als sei es das normalste von der Welt. Ein wirklich brillianter und denkwürdiger Moment. Neben der sexuellen Aufklärung erfuhr man Dank Gea aber auch, was non-binär sein bedeutet. Auch für Diskussionen über Transphobie war Platz. Ein Zwischenfall in dem Kati Irina vor allen anderen küsste, brachte das Thema Konsens und Einverständnis bei intimen Handlungen auf den Tisch. Hier wurden Aspekte angesprochen, die sonst auch gerne mal zu kurz kommen. Die eigentliche Message der ganzen Staffel brachte aber Tabea auf den Punkt indem sie liebevoll in die Kamera blickte, mit dem Finger in die Kamera zeigte und sagte: Du bist gut so wie bist!

Verknalltheit und andere Wirrungen

Ich vermute jetzt mal, dass es keine queere Frau gab, die die Show gesehen hat und sich nicht gewünscht hat, eine der ProtagonisInnen zu Daten. Bei mir war das ganz klar Miri. Ihre liebevolle Art den anderen gegenüber und ihre verlegene aber gleichzeitig verschmitzte Aura brachten mich um den Verstand. Spätestens als sie Irina zu sich heranzog und sich traute sie zu küssen, begann mein vaskuläres Pochen. Generell war für jeden Geschmack etwas dabei. Auch Katis Grübchen und die strahlend blauen Augen sollten da nicht unerwähnt bleiben. Keine zuvor vereinbarte das Zusammenspiel von Authentizität und Anmut so gut wie Irina. Auch hier flogen ein paar Herzchenaugen.

Was am Ende übrig bleibt

Leider hat es am Ende nicht mit der großen Liebe funktioniert. Dennoch sind Freundschaften entstanden, die über das Format hinaus existieren. Mit viel Sexapeal, Witz und Charme wurde den ZuschauerInnen das Gefühl vermittelt, Teil eines geschichtsträchtigen Momentes zu sein. Man selbst bekam suggeriert, sich nicht mehr verstecken zu müssen, sondern so sein zu können wie man ist. Am Ende kann ich nur alle queeren Frauen, die mit dem Gedanken spielen sich für die zweite Staffel zu bewerben, ermutigen dies zu tun und das überaus bahnbrechende Vermächtnis der VorgängerInnen fortzuführen. Denn ALLE sind gut, so wie sie sind! Und das Obst und Gemüse haben vermutlich die Jungs von Prince Charming 3 längst verputzt.

Hinterlasse einen Kommentar